Retro Stefson - I predict a riot

Christian Ihle von "Monarchie und Alltag", das taz-Popblog, bat mich letztens an der allseits beliebten Reihe "I predict a riot" teilzunehmen. Bestandteil der Serie ist, eine illustre Schar an Gastautoren Künstler vorstellen zu lassen, die in diesem Jahr ihrer Meinung nach für Furore sorgen werden. Oder einfach nur besonders sind. Ich war einer davon. Ausgesucht habe ich mir Retro Stefson, mit Sicherheit die Band, die mich 2010 von allem jungen Gemüse da draußen am meisten überrascht hat und begeistern konnte. (Zusammen mit Sizarr natürlich.)

Hier der Text, wie er im Popblog veröffentlicht wurde, zwei großartige Videos und zwei Links dahin, wo man "Kimbabwe" im Netz anhören kann. 

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Das Intro von „Kimbabwe“, dem aktuellen Album von Retro Stefson, erinnert stark an den Beginn von „The Ides Of March“ vom 81er Iron-Maiden-Klassiker „Killers“. Was wirklich stimmt, aber auch auf die komplett falsche Fährte führt. Wie so viele andere Momente im Stilmix dieser blutjungen Band aus Island: Paul-Simon-Zitate; Vampire-Weekend-Paul-Simon-Zitat-Zitate; Rhythmen und Akkordfolgen also, die von Weißbroten gerne auch mal kollektiv unter Weltmusik subsummiert werden; hier ein kleines 8Bit-Elektro-Zwischenspiel, wie es Chilly Gonzales in seinen Teenager-Jahren auch gebastelt hätte; dort ein wenig 80er Rockpop – was für ein Unbegriff, ich weiß; großäugiger Funk; schön-schamlose Disco Licks; karibisches Orgelmarimba-Hüftkreisen, HipHop-Versatzbeats; Soul-Schwebeteilchen; Talking-Heads-Tricks; überraschende Breaks… eine insgesamt so dermaßen verspielte Unbekümmertheit, die all dem Bandsein mit selbstbewusster Leichtigkeit den Oberbegriff Dance zur Seite stellt, wie man dies so seit dem Debüt von Phoenix im Gesamtkontext unbekümmerter Pop nicht mehr gehört hat. Auf jeden Fall zu selten. Oder anders: das Album ist… Killer.
Bislang singen Retro Stefson zwar auch mal auf Englisch und in einer Art Geheimsprache, das erzählt man sich jedenfalls (Hallo Sigur Rós!), aber grundsätzlich vor allem isländisch, gemischt mit französisch und portugiesisch, wenn ich da einigermaßen richtig liege. Was der Sozialisation des Bruderpaars Stefánsson geschuldet sein dürfte: in Portugal geboren und aufgewachsen als Kinder einer angolanischen Mutter und eines Isländers. Nachzuhören auf dem wunderbaren „Mama Angola“, eines ihrer besten Stücke. Wobei der Song, welcher seit Monaten im Netz zurecht seine Kreise zieht und die Band wohl auch dank des hinreißenden Videos berühmt gemacht hat, ganz klar „Kimba“ ist. Auch ein irrer Hit. Dementsprechend sind, so munkelt man, internationale Labeldeals kurz vor unterschrieben, womit hoffentlich auch eine reguläre Veröffentlichung von „Kimbabwe“ (alleine der Titel!) hierzulande anstehen dürfte. Wie schön.
„Who could have guessed that the best cocktail of European, South-American, African and North-American music would come out of an island in the North-Atlantic?“, fragt das isländische Musikexport-Büro. Eigentlich jede/r, sind wir alle doch längst einiges an musikalischen Überraschungen vom Inselstaat gewöhnt. Dass Retro Stefson trotzdem so über die Maßen erstaunen, verdeutlicht da eigentlich nur, wie bemerkenswert diese Band tatsächlich ist.

Video zu "Kimba"

Straßenkonzert-Video zu "Mama Angola"

Ins Album reinhören kann man bei Spotify oder AmazonUK.

Posted by Uwe Viehmann
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Comments (1)

Nov 09, 2011
moncler said...
Definitely a nice feature...hopefully some of the other browsers pick up on that idea. I think with HTML5 starting to be more defined and used in more areas the lines between "website" and website and web apps are going to be completely blurred in many cases.

Also, thanks for pointing out Atrium, definitely looks like it's worth the time of trying it out.

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